„Innovationsoffensive mit Esperanto:
Geburt eines
neuen Wirtschaftszweiges?“
Eine Kurzfassung des Vortrags von Gerhard Hein
Der Vortrag wurde am 29. April 1997 anlässlich der Europawoche 1997 in der Universität Hamburg gehalten.
Europawoche
1997 - ein Forum für Ideen und Zukunftshoffnungen
Die
Europawoche wird zum dritten Mal unionsweit veranstaltet. In Hamburg werden die
Veranstaltungen vom Landeskomitee Hamburg des Deutschen Rates der Europäischen
Bewegung koordiniert. Auch die Stiftung Europaverständigung e.V. beteiligt
sich.
Das
„Europa der Bürger“ läßt sich nicht ohne
Bürgerbeteiligung schaffen. Wir sind alle zur Mitwirkung berufen, sowohl in der
Wirtschaft als auch in anderen Bereichen.. Doch ist
Bürgerbeteiligung ohne wirkungsvolle internationale Kommunikation denn
überhaupt möglich? Haben wir in der Praxis dazu die Voraussetzungen?
Innovationen
- warum?
Zitate:
Wilhelm
von Humboldt: „Der Geist ist ein Wühler“.
Hubert
Markl: „Nicht die Statik ist der Naturzustand des
Menschen, sondern seine Dynamik als Kulturwesen.....“.
Deshalb:
1.
Wandel in der Wirtschaft ist seit jeher unvermeidbar. Mangelnde
Anpassungsfähigkeit führt zum Verlust von Beschäftigung.
2.
Innovationen und Konsumverhalten sind zwei entscheidende Einflußgrößen für die so wichtige Zahl von Arbeitsplätzen,
für wirtschaftliche Wohlergehen und soziale Sicherheit.
3.
Was unsere Volkswirtschaften dringend brauchen, sind Impulse, eine hohe
Innovationsdynamik und neue Bedarfsfelder.
Kommunikation
in Europa: Das Bedarfsfeld der Zukunft
Heute,
mitten im europäischen Wandel, wird so recht deutlich, welche Möglichkeiten und
Chancen die Nutzung von Esperanto als internationale, europäische
Verkehrssprache bieten könnte - und es wird ebenso deutlich, welche
Möglichkeiten und Chancen bisher übersehen bzw. nahezu leichtfertig vertan
wurden!
These:
Die Kommunikation in Europa ist das Bedarfsfeld der Zukunft.
Die
Notwendigkeit einer wirklich gut funktionierenden Verständigung über die
Sprachgrenzen hinweg wird durch den Entwurf der „Charta der Europäischen
Identität“ vom Oktober 1995, angeregt vom Staatspräsidenten der Tschechischen
Republik Václav Havel, eindrucksvoll belegt. Durch die Charta hindurch zieht
sich wie ein roter Faden die unbedingte Voraussetzung, Notwendigkeit und
Unentbehrlichkeit der internationalen Kommunikation von Mensch zu Mensch.
Bedarf es einer weiteren Beweises für die Richtigkeit der obigenThese?
Mit
anderen Worten: Im vielsprachigen Europa besteht jetzt und in Zukunft ein
dringender Bedarf an realistischeren
Möglichkeiten für eine leichtere, ökonomischere
mündliche und schriftliche internationale Verständigung. Die
gegenwärtigen Möglichkeiten sind im Hinblick auf den Bedarf völlig unzureichend und - ich sage das
wiederum im Hinblick auf den Bedarf bewußt
provozierend - sie sind total rückständig!
Fragen
drängen sich auf:
·
Müssen wir uns wirklich mit der heutigen undemokratischen, unfairen und
unökonomischen Lösung des Verständigungsproblems zufrieden geben? Müssen wir
sie erdulden?
·
Müssen wir den europäischen Gestaltungsprozeß
in Wirtschaft und Gesellschaft in seinen Möglichkeiten begrenzen und auf
Dynamik verzichten, nur weil wir heute noch nicht über ausreichende
Kommunikationsmöglichkeiten verfügen und wir nicht bereit sind, für morgen
innovative und fortschrittliche Verständigungsverfahren wie Esperanto
zuzulassen und zu fördern?
·
Müssen wir unsere Vision von der europäischen Identität begraben?
Es gilt, die Chancen des neuen Bedarfsfeldes zu
erkennen und zu ergreifen! Doch zur Überwindung des allzu menschlichen
Beharrungsvermögens müssen wir - so meine ich - offensiv vorgehen.
Die
Innovationsoffensive: Mit Esperanto für mehr Innovationsdynamik
Dynamik
ist ein Schlüsselwort für positive Weiterentwicklungen in der Europäischen
Union.
Unsere
europäische Zukunft hängt davon ab, daß wir uns gut
untereinander verständigen können, - und damit meine ich besser, als uns das
bisher praktisch möglich war und noch heute ist.
Als bessere,
praktischere Möglichkeit für die Zukunft sehe ich die internationale Verständigung
mittels Esperanto an. Esperanto als neutrale Fremdsprache neben der
Muttersprache!
Heute
ist es doch in der Praxis so, daß nur Spracheliten
wirkliche Chancen zur internationalen Kommunikation und damit zur Einflußnahme auf die Entwicklung haben oder bekommen. Die
übrigen Mitbürger - wohlgemerkt, eine Mehrheit! - sind von ihnen abhängig und
werden mehr oder weniger bewußt ausgeschlossen. Es
ist, als werde allgemein angenommen, daß die
Spracheliten stets auch die Eliten auf vielen anderen Gebieten seien. Ist
solche Annahme realistisch? Kann man
hier noch von Chancengleichheit sprechen?
Ich kann mir sehr gut
vorstellen, daß das wirklich große innovative
geistige Potential unserer Gesellschaft nicht in dem relativ kleinen Kreis der
besonders Sprachbegabten zu suchen und zu finden ist, sondern in dem weitaus
größeren Kreis der weniger Sprachbegabten. Mit den weniger Sprachbegabten meine ich
jene Mitbürger, die nur eine, bestenfalls zwei Fremdsprachen in der Lage sind
zu beherrschen. Ihnen sollte man für die mündliche und schriftliche
Kommunikation die bessere Möglichkeit mittels Esperanto, wie oben
vorgeschlagen, eröffnen und nicht etwa vorenthalten.
Es
gibt genügend Gründe, an dieser Stelle nachdrücklich zu fordern: Wir dürfen
unsere Verständigungsinfrastruktur nicht weiterhin allein auf die Spracheliten
ausrichten. Das ist zutiefst undemokratisch, um nicht zu sagen, unfair
gegenüber der Bevölkerungsmehrheit, die dadurch in eine unnötige Abhängigkeit gerät.!!
Und die Chancen für die Bevölkerungsmehrheit?
Gegenwärtig wird Esperanto weltweit von ca. 3
Millionen Menschen genutzt. Das ist einerseits erstaunlich viel. Andererseits
verteilen sich diese 3 Millionen auf über 50 Länder der Erde, so daß die Anwenderkreise der Sprache relativ begrenzt und geschlossen
sind.
Wenn es nur
gewollt ist und wenn es nicht vorsätzlich behindert wird, könnten es weit mehr
Anwender sein! Denn erst dann würden sich die Nutzungsmöglichkeiten dieser
internationalen Verkehrssprache voll entfalten können.
Deshalb gilt es, das weltweit erfolgreich getestete
Verständigungsverfahren Esperanto in die ganz selbstverständliche, alltägliche
internationale Kommunikationspraxis umzusetzen. Umsetzen heißt hier gezielte
Markterschließung für Esperanto und die nachhaltige Anpassung der
Verständigungsinfrastruktur an die modernen Erfordernisse durch die
Einbeziehung von Esperanto. Das wäre ein Anpassungsprozeß, der im Interesse der
Allgemeinheit unbedingt geleistet werden muß. Hier
sind Wirtschaft und Politik gefordert.
Es gibt viel zu
tun - und
ist nicht gerade das
eine große Chance für zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten? Wie heißt
es doch? Unsere Wirtschaft braucht eine hohe Innovationsdynamik und nichts
mehr als tragfähige Visionen und
Ziele. Hier sind einige Visionen und Ziele.
Esperanto soll
und kann für mehr Innovationsdynamik sorgen, als das mit anderen Fremdsprachen
jemals möglich ist und möglich sein kann.
Am Beispiel der englischen Sprache in ihrer Funktion
als internationale Verkehrssprache erleben wir tagtäglich, daß
es zwei Gruppen von Produkten und Dienstleistungen gibt:
1. solche, für die der Verbraucher oder Käufer keine
oder kaum Englisch-Kenntnisse benötigt,
z.B.
Pop-Musik-Veranstaltungen, und
2. solche, für die der Verbraucher, Käufer oder
Anwender Englisch-Kenntnisse benötigt oder
erst
erwerben will, z.B. Lehr- und Lernmaterial,
Lehrer, Fremdsprachensekretärin.
Bei analoger Betrachtung ist festzustellen, daß es unter bestimmten Voraussetzungen auch für
Esperanto-Produkte und -Dienstleistungen einen europa- und weltweiten Markt
geben wird. Die Voraussetzungen sind: Zahlreiche Produkte, Dienstleistungen und
Verfahren müssen sympathiewerbend für
Esperanto gestaltet und interessant für die Verbraucher sein, und sie
müssen Esperanto populärer machen, als es jede andere Fremdsprache heute ist.
Das ist ein zwar hoher, aber nicht unerfüllbarer Anspruch. Deshalb sind
besonders Kreativität, Talente, Engagement, Überzeugungskraft und
unternehmerisches Engagement gefragt.
Ich bin mir
sicher, daß das internationale
Verständigungsverfahren Esperanto hochgradig innovativ ist. Diese besondere Eigenschaft
hat ihren Grund im internationalen Ursprung und Wortschatz der Sprache und in
ihrer sorgfältigen Konstruktion.
Esperanto ist in den über hundert Jahren ihres
Bestehens eine lebende Sprache geworden.Die lange und
erfolgreiche internationale Testphase und ihre im Vergleich zu
Nationalsprachen konkurrenzlos günstigen ökonomischen
Eigenschaften, nämlich deutlich geringerer Zeit- und Kostenaufwand für das
Lehren und Lernen, machen Esperanto aus meiner Sicht für eine
Innovationsoffensive hervorragend geeignet.
Sinn und Zweck
der hier von mir geforderten
Innovationsoffensive ist es, die Prozesse für neue Dienstleistungen, Produkte und Verfahren
mit Bezug zur Internationalen Sprache Esperanto anzuregen, sie fortlaufend zu
erweitern, abzusichern und in Gang zu halten. Die Innovationsoffensive soll
neue geschäftliche Möglichkeiten und Chancen für viele Unternehmen eröffnen.
Und damit auch für zusätzliche Arbeitsplätze.
Meine Vision
ist das Entstehen eines neuen, dynamischen Wirtschaftszweiges, welcher sich in
einer gewissen Analogie zum Wort „Touristik-Industrie“ als
„Esperanto-Industrie“ bezeichnen ließe. Auch die Europäische Union war einmal
eine Vision, die schließlich durch den unermüdlichen, zielstrebigen Einsatz vieler Europäer zur
Wirklichkeit wurde! - Schreiten wir zur Tat, verwirklichen wir den neuen
Wirtschaftszweig! Denn nichts brauchen wir nötiger für unsere Zukunft als
Impulse und ein zielstrebiges Engagement.
Zusammenfassung
Ich
fasse hiermit die wesentlichsten Punkte noch einmal zusammen:
1. Wir brauchen in der Europäischen Union
zur Sicherung und Eröffnung von Beschäftigungsmöglichkeiten und -chancen
Innovationen, das sind marktfähige neue Produkte und Verfahren. Es gilt, für
sie neue Bedarfsfelder zu erkennen und neue Märkte zu erschließen.
2. Wir brauchen in der Europäischen Union
a)
zur Ausgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft eine intensivere
Bürgerbeteiligung sowie
b)
zur Erschließung eines zusätzlichen innovativen Potentials
erheblich
bessere Möglichkeiten zur internationalen Kommunikation, als sie gegenwärtig
gegeben sind.
Internationale
Kommunikation ist ein Bedarfsfeld der Zukunft und ein Markt mit
Wachstumsaussichten.
3. Wenn wir nur wollen, könnten wir sie schon in naher Zukunft
nutzen: Die besseren Möglichkeiten zur
mündlichen und schriftlichen internationalen Kommunikation mittels Esperanto.
Mit Eigenschaften wie innovativ und ökonomisch ist Esperanto für das Bedarfsfeld
und den Markt der Zukunft besonders gut geeignet.
4. Mit einem schrittweisen,
offensiven Vorgehen könnte die Vision von einem neuen, dynamischen
Wirtschaftszweig „Esperanto-Industrie“ Wirklichkeit werden. Sie sind zur Mitwirkung
daran eingeladen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
31.01.2010 08:40